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Rüdiger Czieschla
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Rüdiger Czieschla

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“Geben sie einen frischen Kühlschrank in den Laptop Ärmel.”

Wenn uns hochentwickelte Übersetzungsprogramme und AI diese kleinen Alltagsfreuden nehmen würden, wie schade wäre das!

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“NEW YORK 9/11 – Krieg in Zeiten von Frieden“ von Yadegar Asisi. Sehr beeindruckend, ohne spektakuläre Kriegsbilder gegen den Krieg. Bedeutsam die Stimmen und Perspektiven, die unseren eigenen Anteil an einer gewalttätigen Welt darstellen.

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wladimirkaminer:

Die ersten Monate in Deutschland hatten        wir, junge Geflüchtete aus Russland,        wenig Kontakte mit der Außenwelt. Die ersten Einheimischen, die        uns im Ausländerwohnheim        besuchten, waren die Zeugen Jehovas. Wir sollten sofort in ihren        Turm umziehen.        Fast zeitgleich mit den Zeugen kamen die Versicherungsvertreter,        die uns        erklärten, dass man in Deutschland ohne einer Haftpflicht, einer        Unfall, einer        Rentenversicherung niemals glücklich werden kann. Wir lachten        über die Versicherungsvertreter.        Wir hatten keine Arbeit, konnten die Sprache nicht, wir waren        schwer damit        beschäftigt unsere Gegenwart aufzubauen, wir hatten keine Zeit,        an die Zukunft        zu denken. Man soll erst die Probleme lösen, nach dem sie        auftauchen, sonst        wird man vor Angst in den Wahnsinn getrieben. Damals wussten wir        nicht, dass die        Zukunftsangst ein wichtiger Identifikationsmerkmal hierzulande        ist. Die        Vorsorge, das beruhigende Gefühl, dass einem nichts passieren        kann, egal was        kommt, wirkt wie die Bachbluten Tropfen, selig sind diejenigen,        die daran        glauben.

Die Zukunftsangst ist eine        Volkskrankheit der        Deutschen, laut aktueller Umfrage blicken nur 19% optimistisch        in die Zukunft.        Die anderen frühstucken am Rande der Apokalypse. Diese harmlose        Marotte kann leicht        gegen das Land wie eine Waffe angewendet sein, wir sehen das an        dem aktuellen Gaserpressungsversuch        der russischen Regierung. Alles, was der Kreml in der letzten        Zeit macht ist        von einer gewissen Debilität gekennzeichnet, der Zeitpunkt für        die        Gasterpressung ist denkbar unpassend gewählt, mitten in einem        sehr heißen        Sommer. Deutsche Gasreservoirs sind über 60% gefühlt, besser als        vor dem Krieg,        mit vorhandenem Gas können wir den Winter überstehen, mehr als        die Hälfte unseres        Stroms kommt aus erneuerbaren Energien, Tanker mit Flüssiggas        sind unterwegs,        und wenn es hart auf hart kommt, haben wir enorme Kapazitäten        bei AKWs und        Kohlkraftwerken in Reserve. Und Russland kann weder drei Monate        ohne        europäisches Geld den Krieg weiterführen noch diese 120        Milliarden Kubikmeter        Gas nach China oder nach Indien umsteuern, dafür brauchte es        einer neuen        Gasleitung. Russische Gasreservoirs platzen von nicht verkauftem        Gas.

Um weniger zu produzieren, müssten sie        die Hälfte        ihrer Gasvorkommen schließen, was teurer als Krieg führen ist.        Der        Erpressungsversuch ist ein Bluff. Und doch macht sich die        berühmte German Angst        breit. Unser Wirtschaftsminister aktiviert Alarmstufe II und        duscht jetzt nur        noch 3 Minuten statt 5. Die Bundestagpräsidentin möchte die        Klimaanlage im        Bundestag auf zwei Grad runterdrehen, alles wegen Putin. Das        ganze Land zittert        und friert jetzt schon, bei dreißig Grad im Schatten. Manchmal        kann eine kalte        Dusche für das Land sehr erfrischend sein.

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wladimirkaminer:

Heute habe ich ein kleines Jubiläum, das im Trubel der neuen Kriegszeit vollkommen unterging. Vor 35 Jahren landete ein deutscher Junge, Mathias Rust mit einer geklauten Cessna auf der Brücke in Moskau, direkt vom Roten Platz. Einige bösen Zungen behaupteten, sein Flug hätte der Sowjetunion den letzten Stoß gegeben und das baldige Ende des Kalten Krieges unumkehrbar gemacht. Jahrzehntelang hatte das sowjetische Regime alles Geld in die militärische Aufrüstung gesteckt, um der Nato, ach was, der ganzen Welt Angst zu machen. Auf einmal sah die ganze Welt, der befürchtete Militärkoloss hat keine Unterhose an.Die Journalisten zeigten sich uneinig, wer war Mathias Rust? „Eine durchgeknallte Friedenstaube aus Hamburg,“ schrieben die Zeitungen des Westens, „ein Nato-Spion“, behaupteten die Russen.  Ich habe ihn damals fast getroffen. Ich wurde im Dezember 1986 in die sowjetische Armee einberufen und diente bei der Raketenabwehr im zweiten Moskauer Verteidigungsring, Raketenkomplex „Eihörnchen“, Codename „Bernstein“. Ich hätte ihn damals abschießen sollen, habe es aber nicht getan.  Unsere Einheit bestand aus einer Radarstation und drei Raketen, die in der Nähe im Wald versteckt waren. Der Sinn vom „Eihörnchen“ war der Abschuss von tieffliegenden Zielen, in erster Linie amerikanischer Langstreckenbomber B1B und B52, sie waren aber nie über uns geflogen.Andere tieffliegende Ziele hatten wir im Überfluss. Der Himmel über uns war voll mit kleinen Propellermaschinen, die zu landwirtschaftlichen Zwecken eingesetzt und für private Zwecke missbraucht wurden. Wenn ein Kolchosvorsitzender den Wunsch verspürte, seine liebste Tante in der naheliegenden Kolchose  zu besuchen, flog er hin und hatte nicht einmal ein Radiogerät mit. Das Kleiflugzeug von Rust näherte sich unserer Einheit zuerst als kleiner Punkt auf dem Radar, dann als ein großer Fleck, ein Dorn im Auge des diensthabenden Offiziers, Codename “Glatze"Alle wussten, wie riskant es war, einen Abschussbefehl zu geben. Unsere drei Raketen waren schon ziemlich eingerostet. Gut getarnt lagen sie im Wald und jede Soldatengeneration nahm vor der Entlassung ein kleines Detail von diesen Raketen mit nach Hause, als Andenken an zwei sinnlos im Wald vergeudete Jahre. Niemand konnte genau sagen, in welche Richtung und ob überhaupt die Raketen fliegen würden, wenn man sie abfeuerte. Die Glatze schickte einen Bericht an seinen Vorgesetzen, Codename „Diamant“. Der Diamant schickte es weiter an den Stab der Raketenabwehr, Codename „Smaragd“. Der Smaragd schickte es zum Handlungsstab des Vereidigungsministerium Codename „Rubin“  Mathias Rust landete währenddessen auf der Brücke vor dem Roten Platz. Drei Jahre später ging die Sowjetunion zugrunde und ich wanderte nach Deutschland aus.

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